Was ist Achtsamkeit?

Achtsamkeit zu erklären ist eigentlich irgendwie einfach...

und irgendwie garnicht leicht!

Das liegt wohl auch daran, dass es eigentlich eine Erfahrung ist.

(Wissen wir, wie es ist, Klavier zu spielen, wenn jemand es uns beschreibt?)


 

Kurz:

Achtsam zu sein bedeutet, seine Aufmerksamkeit absichtsvoll auf Erfahrungen des gegenwärtigen Augenblicks zu richten - und zwar auf eine bestimmte, eine "achtsame" Art und Weise. (so beschreibt es Jon Kabat-Zinn, der Entwickler von MBSR)

Es bedeutet, mit dem zu sein, was gerade da ist.

 

Etwas länger - Was ist damit gemeint?:

Die Erfahrungen des gegenwärtigen Moments sind zum Beispiel Körperempfindungen, Geräusche, Gedanken, Gefühle oder Gerüche. Wenn ich achtsam bin, dann nehme ich zB. wahr, dass sich mein Körper gerade jetzt, in diesem Augenblick und hier, in diesem Raum - in einer bestimmten Haltung befindet...dass ich ein- und ausatme...dass Gedanken durch meinen Kopf ziehen...dass bestimmte physische Empfindungen und auch Emotionen vorhanden sind. Ich nehme wahr, was jetzt gerade geschieht. Das ist im Prinzip schon der Kern von Achtsamkeit - das bloße Erkennen und Wahrnehmen von Dingen, die bereits vorhanden sind.

Absichtsvoll meint, dass ich mich bewusst dazu entscheide, auf diese Weise aufmerksam oder gegenwärtig zu sein. Immer wieder passieren achtsame Momente einfach so in unserem Leben. Wir haben das Gefühl, ganz da zu sein...den Sonnenuntergang voll zu genießen, der Freundin mit unserer ganzen Präsenz zuzuhören, erfrischendes Wasser auf unserer Haut zu spüren,... . Meistens kommt aber ganz schnell eine Art von Aufmerksamkeit wieder, die wir ganz gut aus unserem Alltag kennen. Wir denken an etwas anderes ("ach es ist schon spät, eigentlich hätte ich doch noch dies und das erledigen sollen"), wir beginnen uns zu langweilen, der ruhestörende Bohrer aus der Nebenwohnung ärgert uns und wir malen uns zum erneuten Mal aus, wie wir den Nachbar zur Rede stellen,... . Wir "funktionieren" dann meist auch ganz automatisch.

Es braucht also üblicherweise unsere Erinnerung daran und unsere Bereitschaft dazu, wenn wir häufiger als nur zufällig achtsam sein möchten.

Wenn wir achtsam sind, versuchen wir, es auf eine milde und auch neugierige Art zu tun - nicht zu bewerten, ob Körperempfindungen oder Geräusche gut oder schlecht sind, uns nicht zu verurteilen, wenn wir in Gedanken woanders waren,... . Aber wir versuchen auch, nicht das bewerten auszuschalten - wir bemerken einfach, dass wir es tun, wenn wir es tun.


Achtsam sein ist eigentlich irgendwie einfach...

und irgendwie garnicht immer leicht!

Das Schöne ist, dass es eine Fähigkeit ist, die wir üben und kultivieren können,

wenn uns das für unser Leben hilfreich und bereichernd erscheint.