Wer braucht Selbstmitgefühl?

 

Selbstmitgefühl lehrt uns, Freundschaft mit uns selbst zu schließen

 


Die wenigsten Menschen erlernen in ihrer Kindheit einen selbstmitfühlenden Umgang mit schwierigen Emotionen wie Traurigkeit, Ärger, Scham, Wut, Angst,... Vielfach nehmen wir solche Gefühle als „Problem, das gelöst werden muss“ wahr und erlauben uns nicht, in Kontakt mit diesen Erfahrungen zu sein und auf selbstunterstützende Weise mit ihnen zu arbeiten. Das führt oft zu Verhaltensweisen wie Ablenkung, Verdrängung, Verleugnung, Realitätsflucht,…

 

Darüber hinaus kritisieren oder verurteilen wir uns vielfach auch noch dafür, dass wir so empfinden – und fügen damit dem ursprünglichen Schmerz noch eine weitere Schicht von Leid hinzu.

 

Selbstmitgefühl setzt dazu einen Gegenpol: es erlaubt uns, auf sanfte Weise und in unserem eigenen Tempo in Verbindung mit schwierigen Empfindungen zu kommen und nachhaltig einen hilfreichen Umgang damit zu erlernen. Sind die Grundprinzipien von Achtsamkeit und Selbstmitgefühl erst einmal verinnerlicht, werden wir uns im Alltag wie von selbst daran erinnern – wir werden „unser*e eigene*r beste*r Freund*in“.

 

Besonders Menschen, die mit der Pflege Anderer beschäftigt sind – sei es beruflich oder privat – oder die sich intensiv um andere Personen kümmern, profitieren von diesem Zugang: die oft körperlich und emotional fordernde Tätigkeit kann im Lauf der Zeit zu „Mitgefühlsmüdigkeit“ führen. Besonders unter schwierigen Rahmenbedingungen, die mit vermehrtem Zeitdruck, Personalmangel in Pflegeberufen, hoher Verantwortung, etc. einhergehen, tritt dieses Phänomen häufig auf. Auch Mehrfachbelastungen, wie etwa die Anforderung, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, können dazu beitragen, unsere emotionalen Kapazitäten übermäßig zu strapazieren.

 

Selbstmitgefühl ermöglicht es uns, unsere eigenen inneren Ressourcen wieder freizulegen, uns selbst zu stärken und zu nähren, um in weiterer Folge auch einen mitfühlenderen, hilfreicheren Kontakt zu unseren Mitmenschen herzustellen. So kann Überlastungs- und Erschöpfungszuständen vorgebeugt werden.

 

 

Besonders unterstützend ist Selbstmitgefühl für Menschen,…

 

...die in helfenden oder pflegenden Berufen beschäftigt sind

...die privat Angehörige pflegen

...die sich in starken beruflichen oder privaten Belastungssituationen befinden

...mit hohen Ansprüchen an sich selbst bzw. starkem Perfektionismus

...die glauben, „nie gut genug“ zu sein

...mit häufigen Schamgefühlen

…mit übermäßiger Selbstkritik

...die ihren Lebensstil verändern möchten (Essverhalten, Rauchen, Bewegung,…)

...die häufig (soziale) Angst empfinden

...die ihre innewohnenden Stärken (wieder-) entdecken und nähren möchten

 

…u.v.m.